Carl Czerny (1791-1857) war bedeutender Schüler von Ludwig van Beethoven (1770-1827) und hat in seiner Abhandlung "Über den richtigen Vortrag der sämtlichen Beethoven'schen Klavierwerke" unter anderem die einzelnen Klaviersonaten besprochen. Zur SONATE 23 F-MOLL OP 57 (APPASSIONATA) schreibt Czerny: "Beethoven selbst hielt diese Sonate für seine grösste (bis zu der Zeit, als er op. 106 componiert hatte), und gewiss ist sie auch jetzt noch als die vollendetste Durchführung einer gewaltigen, kolossalen Idee zu bewundern."
Seit dem Jahr 1803 war Beethoven im Besitz eines für diese Zeit sehr modernen "Erard-Flügel", der von seiner Ausstattung her (Umfang von 5 Oktaven und dreifache Besaitung, was das klanglich beeinflussende Dämpfen ermöglichte [linkes Pedal]) dem Komponisten ganz neue Perspektiven in der instrumentalen Behandlung von Klang und Ausdruck eröffnete.
Im Zeichen dieser Neuerung, verbunden mit Beethovens kompositorisch intelligenter Vorgehensweise, das "Krisenhafte" in seinem durch die drohende Ertaubung schicksalhaft sich wendenden Lebens zum strukturellen Prinzip zu erheben, indem musikalisch "natürliche" Themen mit "unnatürlich" störenden kombiniert bzw. gegenübergestellt werden, das alles spiegelt sich in der besonderen, heterogenen Anlage der F-moll-Sonate beispielhaft wider.
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