Boulez Pierre: PREMIERE SONATE
Nahezu sämtliche Werke für Klavier von Pierre Boulez (1925-2016) entstanden in der für ihn kompositorisch bedeutsamen Nachkriegszeit und in den 50er Jahren. Die Erste Klaviersonate etwa stammt von 1946 und wurde von Boulez als eines der frühesten Stücke gewertet, das er in seinen Werkkatalog aufnahm. Die in dieser Zeit konzipierten Klavierwerke zählen zu jenen, die – angeregt vom Lehrer Olivier Messiaen – bereits mit seriellen Techniken arbeiten. Erst die Dritte Sonate von 1957 arbeitet dann vollends mit der „gelenkten Aleatorik“, die aus Boulez’ intensiver Beschäftigung mit Schönberg, Webern und Messiaen resultierte. Das Klavier nimmt also in der kompositorischen Entwicklung von Boulez eine besondere Stellung ein, denn die Werke markieren wegweisende Übergänge im Schaffen des Komponisten wie in der Neuen Musik insgesamt.
Die Erste Sonate weist zwei Sätze auf: 1. Lent. 2. Assez large – Rapide. Der Beginn des Kopfsatzes trägt sämtliche Keime des Materials, welches dann in den Folgepassagen auf sämtlichen Parameterebenen (Agogik, Dynamik, etc.) fortentwickelt wird. Der französische Komponist Maurice le Roux brachte es in seiner Beschreibung der Sonate auf den Punkt: Sie sei ein „genauer Spiegel unserer Epoche: äußerst raffiniert, brutal, kühn, hypersensibel, aber organisiert, zusammenhängend, streng und genau“.
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