Haas Pavel: 4 LIEDER NACH CHINESICHER POESIE (GHETTO TEREZIN 1944)
Der 1899 im tschechischen Brünn geborene Komponist Pavel Haas wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung 1941 von den Nationalsozialisten in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nachdem die Nazis kulturelle Aktivitäten in dem Lager zunächst nur duldeten, gingen sie ab 1942 dazu über, Künstler und Musiker vom Arbeitsdienst zu befreien. Dahinter stand die propagandistische Absicht, Theresienstadt zu einer Art Vorzeigeghetto zu machen, um ablenkende Gegenbeweise zu konstruieren und den zunehmenden Gerüchten vom Massenmord an den Juden entgegenzuwirken.
1944 lagen die „Vier Lieder nach Worten chinesischer Poesie“ von Haas vor. Sie wurden von dem ebenfalls inhaftierten Bassisten Karel Berman, der zugleich Widmungsträger des Zyklus ist, und dem Pianisten Rafael Schächter uraufgeführt. Aufgrund des großen Erfolgs wurde das Konzert mindestens 15-mal wiederholt. Textlich basieren die Lieder auf Überarbeitungen chinesischer Verse, die von dem tschechischen Dichter und Übersetzer Bohumil Mathesius stammen. Da die Gedichte unter anderem die Sehnsucht nach einer fremden Heimat, nach Heimkehr und Wiedervereinigung mit Verwandten thematisieren, liegt hierin sicherlich ein Grund für die Beliebtheit der Lieder bei den Ghettoinhaftierten.
Nachdem die Nazis ihre Propagandaaktionen im Oktober 1944 für beendet erklärten, untersagten sie sämtliche kulturelle Aktivitäten in Theresienstadt und begannen mit der Deportation zahlreicher Künstler. Auch Haas wurde verschleppt und in das Vernichtungslage Ausschwitz gebracht, wo er am 17. oder 18. Oktober ermordet wurde.
Nachdem die Musik von Pavel Haas zunächst in Vergessenheit geriet, wurde sie in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend wiederentdeckt und aufgeführt. Die „Vier Lieder“ zählen zu jenen Stücken, die nicht zuletzt aufgrund der bedrückenden Entstehungsumstände eine besondere Würdigung erfahren.
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