Schuetz Heinrich: ICH BIN EIN RECHTER WEINSTOCK SWV 389
Die Motette „Ich bin ein rechter Weinstock“ SWV 389 entstammt der Sammlung Geistliche Chor-Music (SWV 369–397), die Heinrich Schütz als sein Opus 11 im Jahre 1648 in Dresden drucken ließ. In den hier versammelten 29 Motetten wurden vorwiegend Bibeltexte vertont, doch sind auch einige Strophen aus Kirchenliedern vertreten. Dem Werkdruck geht eine ausführliche Vorrede voraus, welche in mehrerlei Hinsicht Aufschluss über Schütz’ Ansinnen und die Funktion der fünf- bis siebenstimmigen Motetten gibt. Schütz wollte seine Sammlung explizit als Lehrwerk verstanden wissen, um angehenden Komponisten „das rechte Fundament eines guten Contrapuncts“ zu vermitteln. Bevor sie zum „concertierenden Stylo schreitten“, womit Schütz das damals neuartige Komponieren mit Generalbass (Basso continuo) meinte, sollten die Tonsetzer zunächst die „harte Nuß“ einer kunstfertigen Kontrapunktik „auffbeißen […] und darinnen ihre erste Probe ablegen“.
Die Faktur und Anordnung der Motetten lässt auf einen systematischen Arbeitsprozess schließen – Schütz legte keine beziehungslose Kompilation unterschiedlicher Stücke, sondern ein überaus planvoll arrangiertes Sammlungskonzept vor. Jede der fünf- bis siebenstimmigen Motetten ist wohldurchdacht in das konzeptionelle Gesamtgefüge der Geistlichen Chor-Music integriert. Die Motette „Ich bin ein rechter Weinstock“ bildet dabei das 21. Stück. Als textliche Grundlage dienen Verse aus dem Evangelium nach Johannes (Joh. 15,1–5a), die Schütz jedoch hinsichtlich ihrer Anzahl und Abfolge veränderte, um sie dramaturgisch besser in Musik umsetzen zu können.
Die sechsstimmige Motette weist eine Vielzahl der für Schütz’ Kompositionsstil so charakteristischen Wort-Ton-Verbindung auf: So werden etwa gleich zu Beginn anlässlich der Metaphern „Weinstock“ und „Weingärtner“ terrassenförmige Melodieverläufe präsentiert, auf die später die „Weinreben“ in umspielenden Achtelketten folgen. Im Mittelteil wählt Schütz zu den zentralen Versworten „wird er reinigen“ eigens einen homophon ausgesetzten Dreiertakt. Schlusswirksam erklingt bei der Textstelle „also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir“ ein gleichsam leibliches Satzgefüge, das aus einer einander ergänzenden Zusammenführung und Verdichtung der Stimmen resultiert.
Bis heute gilt Schütz’ Geistliche Chor-Music als eine Art Ideal des unbegleiteten Chorsatzes protestantischer Provenienz, das zahlreiche spätere Komponisten für Kirchenmusik (z.B. Hugo Distler, Ernst Pepping, Kurt Thomas) zu eigenen Vermittlungen von kontrapunktischer Regelerfüllung und klangvoller Individualisierung angeregt hat.
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