Pressestimmen

Thomas Quasthoff spielt zur Neueröffnung im Haus der Musik


Thomas Quasthoff musiziert mit Wolfgang Meyer im neuen Haus der Musik.

Detmold. Es wird eng im Haus der Musik und viele drücken sich draußen am Schaufenster die Nase platt, als er die Bühne mit den Worten betritt: „Was ist denn hier los? Gibt’s nen Anlass?" Den gibt es. Zur Neueröffnung des Ladens am Wallgraben gibt Thomas Quasthoff mit Geschäftsführer Wolfgang Meyer an der Gitarre ein Einweihungsständchen. Es ist eine Sensation. Quasthoff, der Konzertsäle wie die Elbphilharmonie füllt, tritt als Künstler zum Anfassen in ganz intimer Atmosphäre auf und schwadroniert über Detmold und Blockflöten. Er ist bodenständig geblieben, ein außergewöhnlicher Künstler, ein Stimmwunder.

Seine Laufbahn ist einzigartig. Aufgrund der Conterganschädigung wurde ihm das Gesangsstudium verwehrt und er nahm Privatunterricht. Sein internationaler Durchbruch kam, als er 1988 den ersten Platz beim ARD-Musikwettbewerb gewann. 1996 wurde Quasthoff Gesangsprofessor in Detmold, wo er Menschen wie Wolfgang Meyer oder Familie Thalmann kennenlernte, die zu seinen besten Freunden zählen. Dann kam der Ruf nach Berlin, wo er seit 2004 unterrichtet. . . . Als es 2012 hieß „Quasthoff singt nicht mehr!" – nur noch mit „k", wie er selbstironisch anmerkt – hielt die Musikwelt den Atem an. Nach zwei Jahren kam die Stimme wieder, und er entdeckte den Jazz. Frank Chastenier, Jazzpianist der WDR-Big Band Köln, brachte ihn auf den Geschmack. Das lief so gut, dass er es nun hauptberuflich macht. Von der „Frackfraktion" hat er sich verabschiedet und seine Begründung erntet Respekt. „Jazz macht mehr Spaß, und mit dem Mikro kann man die Stimme ganz nah bringen, das klingt cool." Als Stimmenimitator von Barry White bringt er ein Beispiel: „Please bring me a sandwich!"

Das Quasthoff-Meyer-Duo ist so gut drauf, dass die geplante „Bratwurstpause" entfällt. Quasthoff macht einen Gag nach dem anderen: „Wenn jeder ein Instrument kauft, ist der Laden saniert." Ums Geld geht es den beiden Musikern nicht. Das Publikum spürt die Liebe zur Musik, die Energie zum Leben schenkt. Humor und Schlagfertigkeit sind die Trümpfe des Weltstars. Mit norddeutschem Zungenschlag lässt er sich über seine Mitbewohner aus, die zum Lachen ganz tief in den Keller gehen und das Lichtintervall im Flur messen, um zu sparen. Seine Stimme ist eindringlich und schön. Meyer begleitet einfühlsam und virtuos.

Mit bezauberndem Basstimbre lässt der Schlusston bei „Autumn Leaves" Lautsprecher und Bauchhöhle vibrieren. Als Meister der Vokalperkussion würzt Quasthoff die Stücke mit Zisch- und Zungenlauten. Er lobt das feuchte Wetter in „Wetmold" und lässt mit „You Are The Sunshine" die Sonne in den Herzen der Gäste aufgehen. Seiner Frau Claudia im Publikum widmet er „Moon River" und Käthe, der Tochter Wolfgang Meyers, den Sinatra-Song „Fly Me To The Moon". Nach all den Mondlandungen demonstriert Meyer „Horst", den Loop, der ihm mehrstimmiges Gitarrenspiel per Eigenaufnahme ermöglicht. Den zahlreichen Musikstudenten im Publikum ruft Quasthoff zu: „Verliert nie den Spaß an der Musik, es ist der geilste Beruf der Welt!" Gerne würde er im Detmolder Konzerthaus auftreten.

Er schätzt die Zeit hier. Berlin bot ihm aber doch mehr Möglichkeiten. Durch Schauspiel, Rezitation, Kabarett und Jazzkonzerte konnte er sein Repertoire erweitern. Der letzte Song „Playing Again in Detmold City" spielt darauf an, dass er gerne Detmold besucht: „Aber nur, wenn nicht wieder irgendwelche Kuffnucken ohne Ausweis die Behindertenplätze zuparken." (Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018, Text/Bild: Thomas Krügler LZ, 11/2017)

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