Pressestimmen


Bigband und Vibraphon! Friedmans Spiel macht süchtig

Detmold (LR) Zu einem besonderen Konzert hatte am Sonntag die Bigband der Detmolder Musikhochschule in Zusammenarbeit mit dem HAUS DER MUSIK in die Neue Aula eingeladen: David Friedman, Solist, Komponist und Lehrer auf Vibraphon und Marimbaphon, war gekommen, um zusammen mit der Band zu spielen.

Im vorigen August hatte er bereits einen umwerfenden Soloabend im Grabbe-Gymnasium gegeben. Nun war man gespannt, wie die beiden unterschiedlichen Welten - der kammermusikalische, träumerisch-poetische Klang des Vibraphons und der direkte, sehr dichte und in der Regel auch recht aggressive Klang einer Bigband - zusammenklingen. Ob das erste Stück des Abends, mit dem die Bigband das Konzert eröffnete, wie alle anderen aus der Feder Friedmans stammt, wurde leider nicht gesagt. Aber es setzte einen duftigen Ansatzpunkt für das weitere Geschehen. Die Bigband der Hochschule, ein renommierter und gefestigter Klangkörper unter der Leitung von Oliver Groenewald hat bereits Erfahrung im Begleiten großer Jazzmusiker. Hier jedoch tat sich eine neue Dimension auf, denn wie sehr das Vibraphon eine eigene, in sich geschlossene Welt ist, zeigte sich im ersten Solo Friedmans, das sich anschloss.

Der Meister präsentierte sich dem Publikum in bester Laune, immer bereit zu Scherzen, gab sich ganz leger und trotzdem hochkonzentriert. Dann legte er los, mit der ihm eigenen Eleganz und Anmut. Dies ist auch das erstaunliche an seinem Spiel, diese unglaubliche Grazie, Friedmans Art, Spaß am Spiel mit Ausdruckskraft und technischer Perfektion zu verbinden. Dabei strahlt er eine unglaubliche Energie aus, seine Schlegel fliegen über die Klangstäbe - einer sogar ins Publikum - dazu tänzelt er, scheinbar schwerelos! Unglaubliche Töne, teils von pastellener Poesie, teils brutaler Bodenständigkeit entlockt er Vibra- und Marimbaphon, ersteres sehr obertonreich und entrückt, letzteres erdiger, diesseitiger.

Friedman und die Bigband entfalteten ein Feuerwerk verschiedener Ausdrucksstiele, von der schwermütigen Ballade bis zu fetzigen Tänzen. Alles war wirklich gelungen, wenn auch das Vibraphon im Tutti der Bigband unterging; hier hätte eine dezente Verstärkung durch die Lautsprecher gut getan. Bleibt zu hoffen, dass weitere Gastspiele Friedmans folgen, denn nach diesem Abend scheint eins sicher: sein Spiel macht süchtig! Andreas Rückert