Pressestimmen

Das Internet als Hoffnungsträger der Musikbranche?

Der Handel mit Musikalien im Internet

(N. Finke/S. van Baal, E-Commerce-Center Handel 12/2006 )

Der Handel mit Musik befindet sich in einem Wandel, der von den Diensten im Internet und moderner Technologie wesentlich beeinflusst wird. Ein Überblick über die Facetten des Online-Musikhandels. ... .

... Wer über das Internet Noten kaufen möchte, hat die Wahl: Er kann bei zahlreichen Musikalienhändlern, aber auch direkt bei Verlagen bestellen. In beiden Bereichen sind Online-Shops weit verbreitet. Wie die neue musikzeitung (nmz) im Mai 2006 feststellte, ist dies in Bezug auf die Musikalienhändler in der Regel "eine komfortablere und nutzerfreundlichere Fortsetzung des gut funktionierenden Versandhandels, den Musikalienhändler schon seit Jahrzehnten betreiben". Ein Beispiel gibt das Detmolder Haus der Musik ab, das auf seiner Website einen umfassenden Kundenservice anbietet ñ die nmz schreibt dem Unternehmen eine Vorreiterrolle zu.

Die meisten Verlage, die ihre Produkte über eigene Online-Shops anbieten, lassen die Bestellungen über örtliche Musikalienhandlungen ausliefern, um den Handel zu stützen (und verhalten sich somit "handelstreu").

Der Handel mit Musikalien nimmt im Vergleich zu dem mit Tonträgern oder Musikinstrumenten insofern eine Sonderstellung ein, als er in der Bundesrepublik Deutschland der Buchpreisbindung unterliegt. Dies ist freilich kein spezifisches Merkmal des Online-Handels, darf im Gesamtkontext jedoch nicht unberücksichtigt bleiben. Der Musikalienhandel sieht durch die Buchpreisbindung die Produktvielfalt und die Möglichkeit zum flächendeckenden aktiven Musizieren gesichert. Kleine und mittlere Musikalienhandlungen haben somit bessere Chancen, sich zu behaupten.

Chance und Risiko liegen beim Handel mit Noten über das Internet jedoch nahe beieinander: So gibt es zwar einerseits zahlreiche Musiker, die Noten für ihr Hobby oder ihren Beruf benötigen ñ sie alle suchen immer wieder Musikalien, um neue Stücke zu erlernen. Die Chance für den Online-Handel: Oftmals müssen sie viele Kilometer bis zur nächsten gut sortierten Musikalienhandlung fahren, um dann gegebenenfalls festzustellen, dass es dort die Wunschnoten nicht gibt. Die Bestellung vom heimischen PC aus gestaltet sich da prinzipiell einfacher. Andererseits kommt für die meisten Musiker ein "blindes" Bestellen über einen Online-Shop nicht in Frage, da nur der Blick in die Noten selbst den Schwierigkeitsgrad verrät. Für Abhilfe will diesbezüglich das bereits erwähnte Haus der Musik sorgen, das unter der Adresse musikalienhandel.de einen umfassenden Online-Shop bereitstellt, der es ermöglicht, Notenbücher einzusehen. Die Kunden haben bei diesem Prozedere die Möglichkeit der Mitwirkung: So können sie einer Notenausgabe eine Probeseite zuordnen, indem sie einen selbst angefertigten Scan auf den musikalienhandel.de-Server laden. Derartige Uploads werden belohnt; für jede hochgeladene Notengrafik inklusive einer Titelabbildung zahlt das Haus der Musik dem Kunden 49 Cents.

Das Beispiel des Haus der Musik-Online-Shops mit seiner Möglichkeit des Noteneinblicks und -Uploads deutet das Potenzial an, das Händler im Internet nutzen können. Die Progressive-Rock-Musiker der seit den 1980er-Jahren bekannten Band Marillion können davon ein Lied singen: Nach ihrem damaligen Erfolg (u.a. die Hit-Single "Kaleigh", 14 Millionen verkaufte Alben weltweit) kam in den 1990er-Jahren nach der Trennung von ihrer Plattenfirma das große Loch; es folgten zunächst vergebliche Comeback-Versuche. "Das Internet hat uns gerettet", sagte die Band-Managerin Lucy Jordache, gelang es der Band doch, über den Shop ihrer eigenen Website die Finanzierung weiterer Projekte sicherzustellen. "Web 2.0 ist wie geschaffen für die direkte Interaktion zwischen Künstler und Consumer", schwärmte jüngst Christopher von Deylen, der Kopf des Musikprojektes Schiller. Der Musiker könne somit "sein Werk direkt präsentieren und ohne großen Aufwand dem Planeten zugänglich machen", so von Deylen. Ob das Konzept Web 2.0, das in der Öffentlichkeit zunehmende Beachtung findet, allerdings auch insofern von Bedeutung sein wird, als es zur Umsatzentwicklung wesentlich beiträgt, bleibt abzuwarten.

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