Pressestimmen

Rock mit acht "Schwergewichten"

Die Heavytones trainieren Talente aus ganz Deutschland im musikalischen Miteinander

(Lippische Landeszeitung 09/2009, Text / Foto: Andreas Beckschäfer) .

Detmold. Bläser, Keyboarder und Gitarristen spielen wild durcheinander. Den Klängen nach hat sich das Ensemble, das in der Detmolder Musikhochschule probt, die Vertonung der Chaos-Theorie vorgenommen.

Dann hebt ein Mann den Arm, ein Schlagzeuger zählt ñ und plötzlich erklingt eine rockige Melodie. ÑHört sich noch ziemlich schräg anì, kommentiert Organisator und ÑHaus der Musikì-Inhaber Wolfgang Meyer-Johanning lächelnd die ersten Versuche der wenige Stunden zuvor zusammengestellten Gruppe, als Kollektiv zu funktionieren. Sie alle sind Teilnehmer eines Workshops, den die Mitglieder der ÑHeavytonesì, bekannt als Studioband des Fernsehformats ÑTV-Totalì, in Detmold anbieten.

ÑIndividualunterricht gibt es überallì, erklärt Bandleader Herbert Jösch, Ñdoch wie man als Band aufeinander zugeht, den anderen zuhört und ein Gefühl füreinander schafft, das wird häufi g vernachlässigt.ì Auf dieser Grundlage entwickelten die acht Schwergewichte der deutschen Musikszene mit Unterstützung des Instrumentenherstellers Yamaha den Workshop. Und das Interesse an ihrem Konzept ist unglaublich groß. ÑEs ist wunderbar, diese populäre Musik in solch hoher Qualität in unseren Räumen zu habenì, erklärt Oliver Groenewald, Professor für Jazz und Popularmusik. Musiker aus ganz Deutschland und gar aus der Schweiz treffen sich in Detmold, um miteinander ñ und eben nicht nur nebeneinander ñ spielen zu lernen.

Mittendrin auch drei Barntruper Nachwuchstalente, Mitglieder der Rockgruppe Leatherhead. Bassist Florian Kropp (15), sein Bruder Felix (16, Schlagzeug) und E-Gitarrist Simon Lessmann (18) fühlen sich hier außerordentlich wohl: ÑDie Musiker der Heavytones sind großartige Dozentenì, lobt Florian begeistert. ÑSie erklären unglaublich akribisch, wie sich jeder Einzelne an seinem Instrument verbessern kann und worauf man achten muss, um als Band gut zu klingenì, ergänzt sein Bruder. Und Simon berichtet beeindruckt davon, dass die Heavytones trotz ihrer Erfolge Ñkein bisschen abgehobenì seien. Wie umfassend diese das Programm gestalten, wird auch im Abendprogramm deutlich: Es gibt Kurse zu Themen wie Improvisation, Arrangements oder Modern Grooves. Trompeter Rüdiger Baldauf vermittelt in einer Gesprächsrunde den Teilnehmern die psychologischen Aspekte der Bühnenarbeit, spricht offen darüber, wie Unsicherheit und Konkurrenzdruck die Spielkunst hemmen

können ñ und findet dankbare Zuhörer. Dass selbst jemand, der regelmäßig gemeinsam mit Weltstars wie Kylie Minouge, Tom Jones oder Robbie Williams musiziert, nicht immer so selbstsicher ist, wie das nach außen wirkt, macht den Teilnehmern Mut für die Bewältigung der eigenen Auftrittsangst.

Von dieser ist beim Abschlusskonzert nichts zu spüren ñ im Gegenteil: Der Enthusiasmus, den die Ensembles ausstrahlen, ist absolut mitreißend. Die Lernerfolge kann man nicht nur hören, sondern auch sehen: in spontanen Tanzeinlagen der Bläserfraktion, in ausgelassenen Hüft schwüngen der Gitarristen ñ und in den Gesichtern von Herb Jösch, Rüdiger Baldauf und Wolfgang Meyer-Johanning. Diese verfolgen das Geschehen mit breitem Grinsen aus dem Hintergrund, wirken nach drei arbeitsintensiven Tagen erschöpft , aber glücklich über die Resultate ihres gemeinsamen Wirkens.

Text: Andreas Beckschäfer